Schriftgröße einstellen:
bildleiste12.jpg

Das Pflegekonzept der Katholischen Sozialstation

 

Das Alter

Alles Lebendige altert - und stirbt. Dies ist ein Naturgesetz, dem sich alle fügen müssen. Im Laufe der gesellschaftlichen und geschichtlichen Entwicklung wurde das Altern auf verschiedene Weise beeinflusst. Kriege und Krankheiten ließen die Menschen schneller und intensiver alt werden. Durch Fortschritte der Naturwissenschaften und der modernen Medizin hat sich die Lebenserwartung heute
enorm gesteigert. Dass aber diese medizinischen Fortschritte nicht ohne neueProbleme und auch Nachteile gesehen werden können, lehrt uns die Beschäftigung mit der Situation des alternden Menschen zu Hause und in den entsprechenden Pflege- und Betreuungseinrichtungen.
Wie gehen wir heute mit dem Alterungsprozess, bzw. mit den alten Menschen um?
"Die Humanität einer Gesellschaft wird letztlich daran gemessen werden, wie sie mit ihren schwächeren Mitgliedern, den Kindern, Alten und Kranken umgeht." Diesen Satz sollte man jedoch nicht ohne Beachtung der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Aspekte stehen lassen. Durch die höhere Lebenserwartung bei gleichzeitigem Geburtenrückgang gibt es in den industrialisierten Ländern eine beachtliche Verschiebung zwischen arbeitender und nicht mehr arbeitender Bevölkerung. Das von jedem Arbeitenden aufzubringende Rentenvolumen wird ständig größer. Steigende Morbidität der älteren Menschen erfordert höhere Ausgaben für die medizinische Versorgung.

Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach der Pflege und Betreuung älterer Menschen, die zu Hause und in den Pflegeeinrichtungen ver- und umsorgt werden, zu betrachten.
Hierzu sind selbstverständlich viel Einfühlungsvermögen und Menschlichkeit nötig, denn wir dürfen nicht vergessen, dass alte Menschen in ihrem Leben sowohl langdauernde Erfahrungen mit existentiellen Bedrohungen gemacht haben als auch einen schwindelerregenden Wandel aller Lebensbedingungen in ihrem persönlichen Bereich nachvollziehen mussten und müssen.
Neben dieser menschlichen Komponente ist eine Qualifizierung notwendig, die den Umgang mit den Themen Gerontologie (Lehre von den Alternsvorgängen, Grundlagenforschung über die Prozesse des Alterns insgesamt) und Geriatrie (Lehre von den Besonderheiten der Krankheiten des höheren Lebensalters und ihre Behandlung) beinhaltet.
Nur durch eine Kombination aus Menschlichkeit und Fachlichkeit können wir heute dem Menschen im Alter zur Seite stehen.

Die Situation der Betroffenen

Der Körper baut ab. - Eine Situation, mit der alle älter werdenden Menschen konfrontiert werden. Das Augenlicht wird schlechter, viele Bewegungen fallen schwer, man hört nicht mehr so gut, vergisst viel und die Dinge des täglichen Lebens gehen nicht mehr so leicht von der Hand. Bei dieser allgemeinen Reduzierung der Körperkräfte können zusätzlich auftretende Krankheiten nicht mehr ohne weiteres aufgefangen werden, und es kommt zu einer Summierung vielerlei Störungen (Multimorbidität).

Ist es den alten Menschen dann nicht mehr möglich, sich in vollem Umfang selbst zu versorgen, und kann dieses Defizit von Angehörigen und Freunden nicht mehr ausgeglichen werden, kann und sollte in erster Linie über die Versorgung und Betreuung durch ambulante Dienste gesprochen werden. Eine solche Einrichtung kann eine regelmäßige und qualifizierte Unterstützung ermöglichen und garantieren, ohne jedoch den oftmals gefürchteten Ortswechsel in eine Pflegeeinrichtung vor Augen zu führen.

Ohne Zweifel ist es für die Betroffenen eine große Umstellung, einen oder gar mehrere "Eindringlinge" in der vertrauten und sicheren Umgebung zu dulden, und demzufolge ist diese neue Situation immer mit Ängsten und Sorgen, ja auch mit einem gewissen Schamgefühl für den alten Menschen verbunden. Werden alte und liebgewonnene Gewohnheiten möglicherweise kritisiert oder belächelt? "Was denkt die Pflegekraft wohl über mich, wenn ich den ganz alltäglichen Aufgaben nicht mehr ohne Hilfe begegnen kann?"

Neben dem Abbau der eigenen Kräfte, dem Gefühl, etwas zu verlieren, der Sorge, nicht mehr gebraucht zu werden und Kontakte zu verlieren, aber auch dem schlechten Gewissen, der Familie persönlich und eventuell auch in finanzieller Hinsicht zur Last zu fallen, muss sich der alte Mensch zuerst gedanklich und schließlich auch tatsächlich auf eine völlig neue Lebenssituation einstellen. Im Alter erfolgt jede Umstellung langsamer. Wenn sie dazu unter hoher geistiger und nervlicher Belastung und in einer Phase besonderer körperlicher Schwäche geschieht, ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen auf die Leistungen oder auch die Personen eines ambulanten Dienstes zu Beginn abweisend reagieren.

Die gewünschte Unterstützung soll erfolgen, jedoch ohne zu fordern, zu stören und zu drängen. Die Notwendigkeit einer Veränderung wird zwar erkannt, jedoch soll eigentlich alles beim alten bleiben.

Dies alles stellt an die Betroffenen, aber auch insbesondere an die Angehörigen und Freunde, sowie an die Pflegenden besondere Anforderungen.

Die Angehörigen

"Alte Menschen haben ihr Leben lang gearbeitet. Deshalb sollen sie jetzt gut versorgt
werden, am besten in der Familie. Sie sollten möglichst auch dort ihr Leben
beschließen dürfen." Dies ist eine schöne Vorstellung - aber leider nicht immer
realistisch. Pflegebedürftige alte Menschen können für die Angehörigen eine große
Belastung sein. Neben eigener Familie, Haushalt, Berufstätigkeit und den ganz
alltäglichen Problemen kann die Pflege eines älteren Menschen die Angehörigen oft
an die Grenzen ihrer Belastungsfähigkeit führen. Die Räumlichkeiten sind nicht für
eine Pflegesituation ausgelegt, es wird ein hohes Maß an Aufmerksamkeit gefordert,
die Angehörigen kämpfen mit ihren Schuldgefühlen - Unzufriedenheit und
Aggressivität schaukeln sich hoch. Dies ist eine schwierige Situation für alle
Beteiligten.

Wie sollen die alten Menschen sich verhalten? Sie fühlen ihre Kräfte schwinden,
möchten aber ihren Platz im Familiengefüge nicht verlieren. Hilfe annehmen - selbst
von Angehörigen, geschweige denn von Fremden - fällt vielen alten Menschen schwer. Sie wollen niemandem zur Last fallen, haben aber dennoch die Erwartungshaltung, dass jemand sich um sie kümmert und für sie da ist.

Die Angehörigen sind in der Regel bereit, die alt und pflegebedürftig gewordenen Familienmitglieder zu betreuen und zu versorgen, sei es aus einer selbstverständlich herzlichen oder einer rein moralischen Verpflichtung heraus. Sie erwarten nun ihrerseits, dass die Betreuung und Zuwendung dankbar aufgenommen wird, aber auch deren Grenzen erkannt und akzeptiert werden.

Werden diese gegenseitigen Erwartungshaltungen überschritten, kommt es unweigerlich zu Konflikten.

Ist eine familiäre und/oder häusliche Pflege des alten Menschen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich und wird nach Alternativen gesucht, fühlen sich die Betroffenen oft unnütz und ‚abgeschoben. Sie geben ihre Enttäuschung ungeschminkt an die Angehörigen weiter und erzeugen ein schlechtes Gewissen - Schuldgefühle.

Ein Patentrezept für diese schwierigen Situationen, die mit vielen Ängsten und Unsicherheiten auf beiden Seiten belegt sind, gibt es sicherlich nicht. Offenheit und Aufrichtigkeit sind in jedem Fall Grundvoraussetzungen für beide Seiten, um mit der unbekannten Lebensphase umgehen zu können.

Die Angehörigen haben die alten Menschen oft jahrelang mit ständiger Überforderung und persönlichen Entbehrungen gepflegt und stehen dem Thema ‚Hilfe von und durch ambulante Einrichtungen' mit gemischten Gefühlen und auch etwas ratlos gegenüber. Es ist deshalb wichtig und sinnvoll, ihnen zusammen mit den Betroffenen das Leistungsspektrum und die Leistungsformen ambulanter Dienste zu erklären und sie über die Pflegeziele und -maßnahmen zu informieren. Je mehr Informationen zwischen den zu Pflegenden, den Angehörigen und den Pflegenden fließen, desto konfliktfreier kann das Thema "Pflege und Betreuung alter Menschen durch eine ambulante Einrichtung" - im Idealfall mit Unterstützung der Familie und Freunde - diskutiert und realisiert werden.

Die Pflegenden

Auch für die Pflegenden ist der Umgang mit einem zu betreuenden und zu pflegenden älteren Menschen mit Unsicherheiten verbunden. Neben der täglichen Routine und den erlernten Maßnahmen zur Pflege bestimmter Gebrechen und Krankheiten müssen sie den Menschen in seiner Individualität kennenlernen, Kontakt zu ihm finden. Daher ist es notwendig, vom Betroffenen selbst oder seinen Angehörigen zu erfahren, wie das Leben ohne externe Unterstützung verlief. Nur mit Kenntnis dieser Biographie kann es den Pflegenden möglich sein, den Ängsten, Aggressionen, Depressionen und Enttäuschungen der alten Menschen sinnvoll zu begegnen.

Pflegende wollen die Betroffenen gut versorgen, sie haben das Bedürfnis, mit ihnen in Harmonie zu leben, einen überschaubaren, geordneten Pflege- und Betreuungsablauf zu haben und für ihre Arbeit kompetent zu sein. Eine Vielfalt an Zielen und Erwartungen, denen man im Alltag nicht immer gerecht werden kann.

Angesichts des Anstiegs psychischer Problematik der zu betreuenden Personen nehmen Situationen zu, in denen sich die Pflegenden hilflos und überfordert fühlen. Auch sie suchen nach Informationen und Orientierung.

Theoretischer und praktischer Umgang mit den verschiedenen Situationen und die entsprechend möglichen Bewältigungsstrategien müssen den Pflegenden bekannt sein und von ihnen geübt werden, um die Unsicherheiten aktiv bewältigen zu können.

Die Pflege und Betreuung alter Menschen setzt ein spezielles und qualifiziertes - auch menschlich qualifiziertes - Wissen voraus.Dieses Wissen muss sorgfältig erarbeitet werden und bedarf in Theorie und Praxis einer ständigen Flexibilität.

Pflege- und Betreuungskonzeption

Das Leben im Prozess

Die Kath. Sozialstation pflegt nach dem Pflegemodell Krohwinkel (AEDL's)

Von der Empfängnis bis zum Tod, bei dem sich der Mensch mit seinen Lebensaktivitäten auf einem Kontinuum zwischen vollkommener Abhängigkeit und vollkommener Unabhängigkeit bewegt. Auf diesem Lebensweg ändert sich der Mensch ständig in zweifacher Hinsicht:langfristige Veränderungen durch Wachstum und Entwicklung und Ausgestaltung der Lebensaktivitäten durch physische, intellektuelle,gefühlsmäßige und soziale Einflüsse.

Die Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens sind die Hauptkomponenten, welche auch unserem Pflegemodell zugrunde liegen.

Jeder Mensch
übt diese Lebensaktivitäten unterschiedlich aus und entwickelt sich einzigartig. Seine Individualität wird dadurch sichtbar, wie er die Aktivitäten gestaltet:

wie er sie ausübt;

wie oft er sie ausübt;

wo er sie ausübt;

wann er sie ausübt;

warum er sie so und nicht anders ausübt;

was er über bestimmte Aktivitäten weiß, und

welchen Stellenwert er ihnen beimisst.

Als Geschöpf Gottes steht der Mensch in der Geschöpflichkeit und Abhängigkeit des Geschaffenen. Als handelnder Bewohner dieser Erde ist er zugleich Erhalter und Mitgestalter unserer Schöpfung. So ist der Mensch als Lebewesen eingebettet in "welthafte Bezüge", d.h. - man kann den Menschen nicht denken, ohne mit zu bedenken, dass er als Geschöpf - unter Mitmenschen - auf der Erde - im Angesicht Gottes steht. Hier wird deutlich, dass Menschsein in einem ganzheitlichen Spannungsbogen gesehen werden muss. Dieses größere Sinn- und Seinsganze kann beschrieben werden als Einbindung des Menschen in einen senkrechten Bereich, Existenzachse, und in einen waagerechten Bereich, Beziehungsachse. In der Mitte dieser Schnittachsen, die ein Kreuz bilden, steht der ganzheitlich angelegte Mensch in seiner personalen individuellen Existenz.

Pflege- und Betreuungsziele

  • Größtmögliche Selbständigkeit unter Einsatz der eigenen Ressourcen

  • Bestmögliche Beratung und Anleitung der Angehörigen

  • Körperliche Sicherheit durch eine ideale Pflege

  • Soziale Integration

  • Gewissenhafte Koordination und Vernetzung der Dienstleistungen im Interesse des Klienten

  • Der Klient ist stets gut beraten

  • Regelmäßigkeit der Dienstleistungen garantieren

  • Kontinuität im Personaleinsatz, um Vertrauen und Beziehungen entstehen zu lassen

  • Die Qualitätssicherung nach § 80 SGB XI
Katholische Sozialstation Friedrichshafen  |  Marienstraße 16  |  88045 Friedrichshafen
Telefon 07541-22101  |  Telefax 07541-389222  |  E-Mail info(at)sozialstation-fn.de
Sparkasse Bodensee  |  IBAN DE5369 0500 0100 2028 7793  |  BIC SOLADES1KNZ
Gestaltung und Programmierung: Südsicht Webdesign

News der Sozialstation FN